Mobilität

10. Mai 2019

 

foto Überall wird an neuen Mobilitätskonzepten gearbeitet. Gerade las ich wieder einen Artikel zum Thema. Gerne wird da von Lösungen gesprochen doch Wunsch und Wirklichkeit liegen oft weit auseinander.

Ich frage mich was es kosten würde wenn, nur mal auf unsere Gemeinde beschränkt, verschiedene Pendelbusse eingerichtet würden. Und ich meine Pendelbusse die den Namen verdienen. Sie müssten ständig auf einer Route fahren, sehr oft und unabhängig davon, ob und wieviele Menschen mitfahren.

Das konnten wir schon vor mehr als fünfundzwanzig Jahren im Urlaub auf Barbados nutzen. Man stieg einfach in den Kleinbus ein der vorbeifuhr kurz nachdem man an der Straße ankam und hielt wenn man winkte. Für einen kleinen Obolus fuhr man mit und war schnell nahezu am Ziel. Das letzte Stück ging es dann wieder zu Fuß.

Ich stelle mir vor, dass die Kosten für so etwas überschaubar sind. Und stelle mir weiter eine Umlage auf alle Bewohner der Gemeinde vor. Ich glaube, das kostet sogutwienix und würde über kurz oder lang dazu führen, dass für die meisten Besorgungen von den meisten Leuten der Pendeldienst genutzt würde. Einfach, weil er immer da ist.

Und dann stelle ich mir vor, wie das jede Gemeinde macht. Es wäre mit einem Mal nicht mehr weit bis zur Verbindung all dieser Dienste mit dem Bahnangebot. Und schwupps sind wir beim Deutschlandtarif. Aber hoppla, da waren schon einige drauf gekommen, warum nochmal gibt es das immer noch nicht?

Stattdessen wird lieber an Lösungen gearbeitet, für die es noch gar keine Problemstellungen gibt. Wahrscheinlich wird dereinst das Reisen in Warp-Geschwindigkeit schneller zur Marktreife kommen als dass jemals eine Buspendelline alle relevanten Punkte innerhalb unserer Gemeinde so miteinander verbindet wie oben beschrieben. Oder, Gott bewahre, womöglich die Fahrt in die Nachbargemeinde ermöglicht.

Digitalisierung und (Elektro-) Mobilität passen eben einfach so gut zusammen.

Thore schrieb 11.05.2019 18:51

Sowas kann in Deutschland nie funktionieren. Wir sind inzwischen eine so kapitalismusgetriebene und kurzsichtige Gesellschaft, in der es kaum möglich sein wird, dass die Allgemeinheit etwas finanziert, ohne dass ein Aufschrei durchs Volk geht "Mein Geld, mein Geld! Doch nicht für die anderen!". Alle wollen immer nur alles für sich selbst. Jeder schreit nach "dem Staat" aber keiner will Steuern zahlen (die teils fragwürdige Ausgabe derselben lassen wir mal außenvor). Wobei der öffentlich finanzierte, fahrscheinlose ÖPNV schon einige Male erfolgreich getestet wurde (z.B. Luxemburg).

Zusätzlich wird es eine schier unlösbare Aufgabe den Deutschen von seinem eigenen heiligen Blech wegzubringen und in den Bus zu setzen. Das wird als Freiheitsberaubung angesehen. Lieber zwei Stunden im Stau stehen als 20 Minuten im Bus sitzen!

Außerdem geht so ein Pendelbus schon mal gar nicht, weil der keinen festen Fahrplan hat. Wo kommen wir denn da hin? Wonach soll man sich denn da richten? "Der nächste Bus kommt in ein paar Minuten" ist doch kein Fahrplan! Das geht nicht zusammen mit der Deutschen Pünktlichkeit.

Ulrich schrieb 12.05.2019 17:23

Hihi, vieles scheitert bei uns in der Tat an den von Dir treffend beschriebenen Befindlichkeiten.

Dennoch, es muss investiert werden in den ÖPNV. Und auch in den öffentlichen Fernverkehr. Das muss von jedem mitgetragen werden denn es betrifft auch jeden.

Leider sind es heute oft nicht 20 Minuten im Bus sondern 120 Minuten. Und leider oft für eine Strecke, die in 30 Minuten zu bewältigen wäre, nicht etwa, weil Stau ist sondern weil vernünftige ÖPNV-Verbindungen fehlen.

Wie Du schreibst sind ja viele Ansätze schon erfolgreich getestet worden. Das alles ist doch garnicht so teuer wie so mancher denkt, besonders wenn man den Nutzen bedenkt, es sind ja nicht nur Kosten, jeder bekommt ja etwas für sein Geld.

Den Haltungen, die Du so treffend benennst, müsste endlich mal mit Gegenargumenten begegnet werden. Heute scheint mir das zu unterbleiben, das falsche Verständnis der Sachlage wird einfach unkommentiert so hingenommen..

Thore schrieb 12.05.2019 20:23

Das geht wohl alles nicht von heute auf morgen. Obwohl die Zeit sehr drängt. Solange die Auto-Lobbyisten und die Mineralöl-Lobbyisten alle so tief im Rektum unserer Legislative steckt, dass sie schon wieder bei den Mandeln sind, ist es unmöglich, dass was passiert. Wir brauchen vernünftige Lobbyismus-Gesetze (die es gibt, aber verhindert werden!), die auch angewendet werden. Technisch ist viel möglich, wenn die Politik nur vernünftige Rahmenbedingungen schaffen und Druck zum Handeln aufbauen würde. Totalversagen!

Da müssen wir wohl wenigestens auf den lagsameren Prozess hoffen, wofür wir allerdings kaum noch Zeit haben, dass "das Volk" laut genug Aktionen einfordert. Der "Greta-Effekt" hat ja ein wenig Bewegung ins Spiel gebracht. Bei "der Jugend von heute" hat das Auto tatsächlich nicht mehr einen solchen Stellenwert wie vor 30-40 Jahren. Es ist immer mehr nur notwendiger Gebrauchsgegenstand und nicht mehr so stark Statussymbol. Klar wird weiter Auto gefahren, aber das Fahrrad zu benutzen ist heute in allen Bevölkerungsschichten vollkommen normal und es ist nicht mehr nur das Verkehrsmittel der Schüler, Studenten und Armen.

Wir müssen uns dringend unserer selbstgemachten Abhängigkeit (nicht nur psychologisch, auch rein physisch) vom Auto bewusst werden und gegensteuern. Eine Kollegin beklagt sich über die teueren Benzinpreise, weil sie täglich zweimal 25 km zur Arbeit pendelt. Ihr Mann auch, sie fahren meist arbeitszeitbedingt getrennt. Die fahren also zusammen 500 km pro Woche nur Arbeitswege! Ich kann mit dem Rad zur Arbeit, 4 km, notfalls sogar zu Fuß. Wenn ich ihr sage, dass niemand sie gezwungen hat an den Ar... der Welt zu ziehen, wird sie stinkig. In der Stadt sind die Immobilien ja sohohooo teuer! Das ist doch unbezahlbar! Aber braucht man als DINK (double income, no kids) ein 100 qm Haus in der Pampa und drei Autos? Das, was das Eigenheim billiger war, wird jetzt verbrannt und in Form von Abgas durch den Auspuff gejagt.

Ulrich schrieb 13.05.2019 23:08

Abermals treffend zusammengefasst, es kann einfach nicht so weiter gehen und die Stimmung für Änderungen wird aus unterschiedlichen Blickwinkeln zusehends günstiger. Jeder kann einen eigenen Beitrag zum Besseren leisten.





 

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