Glühen

19. September 2015

 

foto Früher kannte man es gar nicht anders aber heute muss man zunächst einmal wieder rekapitulieren wie das eigentlich war, als es Digitalfotografie noch nicht gab. In meinem Fall ist es fünfzehn Jahre her, dass ich eine Fotografie auf Film gemacht habe. Seither wurde die Produktion von Polaroid und Kodachrome eingestellt, Filmlabors fast vollständig umgestellt auf die Verarbeitung digitaler Aufnahmen.

Und auch die meisten Hersteller von guten Filmscannern haben mittlerweile alle die Produktion eingestellt. Ich glaube, die letzten guten Filmscanner für den Hausgebrauch wurden 2009 produziert und wenn einem das wie gestern vorkommen mag ist es doch schon wieder sechs Jahre her.

In der ganzen Zeit hatte ich gehofft, dass es in der Digitalfotografie irgendwann möglich wäre, die besondere Anmutung und Zeichnung von Fotografien auf Film nachzubilden. Vielleicht ist es das auch irgendwann aber selbst wenn mittlerweile schon ganz passable Fortschritte erzielt wurden sieht man Fotografien noch immer an, wenn sie digital entstanden sind.

In den allermeisten Fällen scheint das nicht sonderlich zu stören. Eigentlich in allen Fällen ausser, wenn ich meine eigenen Ergebnisse betrachte. Ich hätte einfach gern hin und wieder mal eine Fotografie von mir angesehen und nicht diese besondere Anmutung und Zeichnung von Film vermisst. Dieses einzigartige "glühen". Zuletzt konnte ich nicht mehr anders. Ich wollte unbedingt wieder solche Fotografien machen. Und wenn es nur gelegentlich wäre, auch, wenn es immer weniger verbreitet ist und immer teurer wird.

Heute war es soweit, ich bin erstmals mit einer M6 auf Tour gegangen, die ich gebraucht erstehen konnte. Jetzt bin ich gespannt wie die Bilder geworden sind. Es heißt jetzt erstmal auf die Entwicklung und den Scan warten aber dann werden wir sehen.

Interessanterweise fehlt mir gar nichts. Ich hatte gedacht, dass nach so langer Zeit des digital Fotografierens die Wartezeit mich anfrißt, aber es ist eher eine angenehme Gewißheit, dass da etwas Interessantes dabei sein wird. Auch die Möglichkeit des unmittelbaren Ansehens in der Kamera wie ein Bild geworden ist fehlte überhaupt nicht. Im Gegenteil, es war wohltuend, sich noch mehr auf das Bilder machen konzentrieren zu können und zu müssen. Faszinierend.

Man ist wirklich fassungslos, wie so etwas drohen kann, unwiederbringlich zu verschwinden. Aber noch ist Film ja erhältlich und wird auch noch entwickelt. Sogar neue Filme kommen heraus. Es ist noch nicht zu spät.





 

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